Eintracht spielte erneut schwach, gewinnt aber 2:0 in Ingolstadt

Beklagte Eintrachts Trainer Torsten Lieberknecht nach der Heimniederlage gegen Nürnberg noch fehlendes Glück, so muss er nach dem überraschenden 2:0-Erfolg der Eintracht in Ingolstadt Fortuna willkommen heißen. Und einmal mehr hat der Fußball unter Beweis gestellt, dass Gerechtigkeit seine Sache nicht ist. Denn die Löwen glänzten nur 30 Minuten lang, danach spielte nur noch eine Mannschaft – Ingolstadt.  

Torsten Lieberknecht wechselte im Vergleich zum Spiel gegen Nürnberg einmal. Hendrik Zuck kam für Sauer, der nicht einmal im Kader war. Vorn bot der der Braunschweiger Coach mit Abdullahi und Hernandez gleich zwei Spitzen auf. Im 4-1-2-3 sollten die Löwen der Mannschaft der Stunde nach acht Spielen eine Niederlage beifügen. Die knapp 9.000 Zuschauer mussten denn auch mit  ansehen, wie die Gäste frech mitspielten.

Zwar dauerte es gerade einmal 40 Sekunden, bis die Schanzer in Person von Wahl die erste dicke Chance hatten, doch die Eintracht zeigte Biss. In der 4. Minute war es Khelifi. der mit einem herrlichen Schlenzer das Tor nur knapp verfehlte. Die ersten 15 Minuten waren dann eindeutig die von Hendrik Zuck. Er lenkte, rannte und passte wie zu besten Zeiten. In der 29. Minute verfehlte er gleich zweimal das Tor.

Doch das war den Gastgebern zu viel des Guten. Mit jeder Minute kamen die Schanzer besser ins Spiel. In der 33. Minute rettete Eintrachts Keeper Fejzic das Unentschieden. Kutschke köpfte auf Cohen und dessen strammer Schuss aus zehn Metern parierte der Torwart mit einer Reaktion in Weltklassemanier. Eintracht zeigte sich beeindruckt und zog sich zunehmend zurück. Kurz vor dem Halbzeitpfiff hatte Kutschke die Führung für Ingolstadt auf dem Kopf. Aber Fejzic war wieder auf dem Posten..

Es sah alles andere als gut aus für die Gäste. 16:4 lautete die Torschuss-Bilanz für die Schanzer. Erschwerend kam hinzu, dass sich Reichel, Breitkreuz und Zuck bereits eine gelbe Karte eingehandelt hatten. Besonders die für Reichel wiegt schwer, denn der Außenverteidiger fehlt dadurch im Heimspiel gegen Tabellenführer Holstein Kiel. Im Audi-Sportpark gab es nicht mehr viele, die an einem Erfolg des Erstligaabsteigers zweifelten.

Eintracht nach dem Wechsel 4-4-2

Auch Torsten Lieberknecht sah sein Heil wohl eher in einer Stärkung der Defensive und schickte im zweiten Durchgang Moll für den enttäuschenden Khelifi auf das Feld.  Was eine gute Entscheidung war. Denn der Gastgeber knüpfte nahtlos an die gute Leistung der ersten Halbzeit an. Allein die Chancenverwertung ließ zu wünschen übrig. Eine Angriffswelle nach den anderen rollte auf das Braunschweiger Tor zu. Doch das Löwenbollwerk hielt stand.

Bis zur 65. Minute hatten die Zuschauern nicht einen ernst zu nehmenden Angriff der Blau-Gelben zu sehen bekommen. Dann schenkte Schiedsrichter Kampka der Eintracht einen Freistoß in der Hälfte der Ingolstädter. Der erneut solide aufspielende Hochscheidt flankte in den Strafraum, Breitkreuz verlängerte per Kopf zu Abdullahi. Der verwandelte wie einst Gerd Müller zur völlig unverdienten, überraschenden Führung. Ein Tor, das Wirkung zeigte. 

Ingolstadt versuchte in der Folgezeit wütend und übermotiviert den Ausgleich zu erzielen, aber die Gästeabwehr warf sich erfolgreich in jeden Schuss. Von Minute zu Minute wirkten die Aktionen der Schanzer weniger koordiniert, vermittelten das Gefühl, als wollte es die Mannschaft nicht wahr haben, dass die Erfolgsserie von acht Spielen ohne Niederlage reißen könnte.

Abdullahi wird immer stärker

Als sich Manni Abdullahi in der 76. Minute gleich gegen drei Gegner durchsetzte und mit etwas Glück den Ball zu Zuck passen konnte, ließ sich der nicht lange bitten. Sein direkter Rückfallzieher landete unhaltbar im langen Eck. 0:2. Das Spiel war komplett auf den Kopf gestellt.

Anders als in den vergangenen Spielen schafften es die Löwen aber, den Vorsprung zu verteidigen. So gesehen, darf man auch attestieren, die Eintracht hat sich den Sieg verdient. Das sah Ingolstadts Trainer Stefan Leitl naturgemäß anders, doch das dürfte den Blau-Gelben ziemlich egal gewesen sein. Mit dem Erfolg schob sich Eintracht Braunschweig auf Platz neun der Tabelle, hat aber dennoch nur drei Punkte Abstand zum Relegationsplatz 16. Wichtig ist der Auswärtssieg der Saison vor allem deshalb, weil die Braunschweiger jetzt mit den beiden Heimspielen gegen Holstein Kiel (Freitag, 8. Dezember, 18.30 Uhr) und Fortuna Düsseldorf (Freitag, 15. Dezember, 18.30 Uhr) nicht nur gegen die beiden Top-Teams der Liga ran müssen, sondern wertvollen Boden gut machen können. Vorausgesetzt es gelingen Erfolge.

Zwar ist die Verletztenlage bis dahin nicht besser, doch das Selbstbewusstsein ist gewachsen. Gut so. Lieber schlecht spielen und gewinnen, als gut spielen und verlieren.

Die Trainer nach dem Spiel:

Stefan Leitl: Es tut mir leid für meine Mannschaft. Sie war eindeutig die spielbestimmende Mannschaft, hatte die besseren Torchancen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir diese Niederlage gut wegstecken und jetzt in Kaiserslautern wieder auf den Erfolgsweg zurück kehren.

Torsten Lieberknecht: Der 0:0-Halbzeitstand ist allein auf die Großtaten von Jasmin Fejzic zurück zu führen. Aber wir hatten auch gute Aktionen. Jetzt sind wir in der Pflicht, dran zu bleiben, zu punkten. Für Suleiman Abdullahi freuen wir uns alle. Seine Vorarbeit zum 2:0 war sensationell.