Dieter Lorenz: Unsere Kultur, wohin geht sie?

Pfingstbotschaft des Sickter Altbürgermeisters Dieter Lorenz

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Jedes Volk hat seine jahrhunderte alte Kultur

Und fährt in und mit ihr in bekannter Spur.

Diese ist tief eingefahren

Nach den vielen Jahren.

Nähert sich ein Fahrzeug mit einer neuen Spurweite

Dann fährt es in der alten Spur bald zu einer Pleite.

Kommt aber das Neue an das Alte, Werte beachtend, näher heran

Dann eine Kultur der Gemeinsamkeit, respektvoll, mehr und mehr begann.

Unsere Kultur ist immer wieder im Gespräch. „Leitkultur“ und andere Formen und Ausprägungen werden diskutiert. Ein „Schaufenster unserer Kultur“ ist unsere Kunst, in ganz verschiedenen Ausprägungen.

Was ist Kunst? Da liest man: „Die Gesamtheit der geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen einer Gemeinschaft als Ausdruck menschlicher Höherentwicklung.“                       Eine Gemeinschaft besteht aus Menschen, die es „an sich haben“, für sich und für Andere etwas zu tun, das anerkannt wird.   Dabei stellen wir fest: Manches können wir, weil wir Begabungen haben, anderes müssen wir mühsam erlernen. Das erleben wir jeden Tag, daheim oder da, wo wir tätig sind. Ist das alles Kunst? Etwas schon, aber, von Kunst spricht man, wenn es sich um „menschliche Höherentwicklungen“ handelt. Kunst ist also etwas Besonderes, das von begabten Menschen geschaffen wurde und wird.

Weil wir Menschen sehr unterschiedlich sind, aus verschiedenen Ländern und Erdteilen kommen, anders aussehen und durch all das herausragen, mit dem wir uns gegenüber Anderen bemerkbar machen, entwickelt sich auch das Zusammenleben zu einer besonderen und ausgeprägten Kunst. Ob ein Volk, eine Stadt oder ein Dorf kulturelles Verständnis und Beachtung der Werte hat, ist an der Behandlung seiner Kunstwerke zu sehen. Eine Gemeinschaft ist gut beraten, wenn sie sich um die Kunstwerke ihrer Heimat kümmert. Ein besonderer Wert unseres Zusammenlebens ist unsere Sprachkultur. Ein Beispiel zu Entwicklungen, das nachdenklich stimmt!

In  der öffentlichen Sitzung eines kommunalen Ausschusses bittet ein Mitglied in der Niederschrift, eine Ergänzung vorzunehmen. Zu Beginn eines Absatzes steht: - „Der Vorsitz“ eröffnet die Sitzung. - Es wurde beantragt, den Begriff „Der Vorsitz“ zu ersetzen durch „Der Vorsitzende ...“ Die Samtgemeinde-bürgermeisterin entgegnete: Die Bezeichnung “Der Vorsitz“ sei die neue Schreibweise aufgrund der Gleichbehandlung der Geschlechter. Ein älteres Mitglied bemerkte. „Da habe ich in der Schule eine andere Schreibkultur gelernt. Das ist eine Vergewaltigung unserer deutschen Schreib- und Sprechkultur. Ist die Gender-Ideologie nun schon bis in die Kommunen vorgedrungen? Kommunalpolitiker, lasst euch das nicht bieten.“

Wenn  man erlebt, wie im Jahre 2017 alles immer schneller wird, wie sich Instagram, Facebook oder Snapchat und andere Techniken ausbreiten und Menschen in der Öffentlichkeit laut sprechen oder auf ihre Geräte tippen, und  Andere damit belästigen. Da fragt man sich: „In welcher Welt sind wir angekommen? Viele, auch anerkannte, kulturell bedeutsame Werke werden in Frage gestellt. Müssen jene, denen diese Kultur-Werte viel bedeuten, jetzt um deren Erhalt bangen und kämpfen?“

Eine Frage tritt mehr und mehr in den Vordergrund: „Ist alles, was technisch und real möglich ist, auch erlaubt? Wo sind die Grenzen? Wer setzt Grenzen?

Bei einer Leserumfrage der „ Neuen Bildpost“: „Soll Deutschland eine Leitkultur für Zuwanderer formulieren?“ … hielten 78 Prozent dies für notwendig,  8 Prozent meinten, das Grundgesetz decke alles ab und 14 Prozent äußerten sich, dass dies nur ein Schritt zur Integration sei.

Es scheint erforderlich, dass wir über die bewährten kulturellen Werte unseres Volkes diskutieren und herausarbeiten, was für ein gelingendes Zusammenleben  von Bedeutung ist. Nur wenn wir selbst wissen, was wir wollen, können wir auch Andere zum Mittun begeistern.

Wenn wir die Jahrhunderte lange Kulturentwicklung verfolgen, dann stellen wir fest, dass vieles Bedeutsame in den über 2000 Jahren vom Christentum  geprägt wurde. Pfingsten – auch als Gründungstag der Kirche angesehen – hebt den Wert des Menschen als ein Geist- und Seele-Wesen hervor, nämlich mit Verantwortung vor einem Gott, der jedem, der will Kraft gibt, das Zusammenleben zu meistern. Der Christlichen Kultur verdanken wir, dass z.B. Pfingstmontag ein bezahlter Feiertag ist. Das gibt uns eine Chance, unser Christenwissen wieder einmal etwas aufzufrischen. Im Lutherjubiläumsjahr ist auch die Gemeinsamkeit der Christen stärker gefragt. Am Pfingstmontag – so ist es in Wolfenbüttel Tradition – laden die evangelischen und die katholischen Kirchen Gemeinden um 10.00 Uhr in die Trinitatiskirche zum gemeinsamen Gottesdienst ein. Nach dem Gottesdienst wird zur Begegnung eingeladen. Nutzen wir die Anregungen der Kirchenvertreter (w/m) und die vielen Begegnungen zum “Auftanken”. So kann das Pfingstfest zu einem Fest der Lebensfreude und der Zukunftsbewältigung werden.

Die Antwort auf unsere Frage nach der Kultur “Wohin geht sie?” … könnte heißen: “Dahin, wo wir Kulturträger, Begeisterte und Mitverantwortliche tätig sind, geben wir ein gutes Beispiel” Also, passen wir auf – tun wir etwas! Allen, die diese Botschaft lesen, wünsche ich ein gesegnetes Pfingstfest  und viel Freude für das Zusammenleben, auch mit Menschen, deren Lebensfahrzeuge (noch) eine andere Spurweite haben.

Mit frohen Pfingstgrüßen
 Dieter Lorenz