Eintracht wacht zu spät auf – 1:2 gegen Schlusslicht Kaiserslautern

Es sollte der langersehnte Freischlag werden, doch am 21. Spieltag der 2. Bundesliga unterlag der selbst ernannte Aufstiegskandidat Eintracht Braunschweig dem Tabellenletzten 1. FC Kaiserslautern verdient mit 1:2. Für die Roten Teufel der erhoffte frische Wind im Segel, für die Löwen ein Rückschlag nach dem Sieg in Aue. Alle Versuche von Marc Arnold und Trainer Torsten Lieberknecht, die TZrainerfrage nicht erneut aufkeimen zu lassen und nach außen Geschlossenheit zu zeigen, wirkten aufgesetzt. Man darf wohl davon ausgehen, dass die „Ehe“ zwischen Klub und Trainer ihrem Ende entgegen geht. Allerdings dürfte die Trennung erst zum Saisonende erfolgen.

Eintracht begann mit der gleichen Elf wie in Aue, bei Kaiserslautern saß Neuzugang Altintop vorerst auf der Bank. Der FCK kam auch mit neuem Trainer. Jeff Strasser war in der Partie gegen Darmstadt mit Herzproblemen ausgefallen. Für Michael Frontzeck gab es wohl nur ein Ziel, ein Sieg über die angeschlagenen Braunschweiger. Voraussichtlich die letzte Chance für den Klassenerhalt. Genauso begannen die Pfälzer auch. Zwar waren es die Braunschweiger, die die ersten Chancen markierten, in der 3. Minute Hochscheidt, in der 4. Kumbela, doch das Spiel machten die Gäste. Und die belohnten sich in der 5. Minute. Abdullahi vertändelte den Ball in der eigenen Hälfte, Reichel schaute zu, und Spalvis köpft den Ball ins Tor.  Eiskalt und effektiv. Die rund 20.000 Zuschauer wollten ihren Augen nicht glauben.

Nur Magerkost

Auch in der Folgezeit bot die Eintracht nur Magerkost. Statt druckvollem Spiel Quer- und Rückpässe, was die Lauterer Abwehr nie wirklich vor unlösbare Aufgaben stellte. Die Löwen wirkten verkrampft und mit der Situation überfordert. Allen voran Nkansah rechts in der 3er-Abwehrreihe. Aber auch Hochscheidt knüpfte nicht an seine beiden Leistungen in Heidenheim und Aue an. Da auch Schönfeld alles andere als einen guten Tag erwischt hatte, wurde einmal mehr deutlich, dass die Eintracht keinem Gegner in Liga zwei ihr Spiel aufzwingen kann.

Anders die erstmals von Michael Frontzeck trainierte Elf des FCK. Der hätte bereits in der 31. Minute mit 2:0 duch Osawe in Führung gehen müssen. Die nächste Chance dann in der 33. Minute und in der 35. Minute war es soweit. Einen Eckstoß von rechts konnte die Braunschweiger Hintermannschaft nicht klären, was Spalvis kurzerhand und trocken zum 0:2 nutzte. Nun machten die Fans auf den Rängen lange Gesichter. Hier hatte das Schlusslicht den Löwen eine Lektion darin erteilt,  wie Abstiegskampf geht. Von vielen Pfiffen begleitet schlichen die Löwen in die Kabine.

Yildirim und Bulut

Für Nkansah und Schönfeld war die Partie mit dem Wechsel gelaufen. Für sie kamen Yildirim und Bulut. Und endlich Schwung. Nicht anders hatten es die Gäste erwartet und verlegten sich  darauf, clever zu verteidigen und mit Kontern vielleicht noch ein drittes Tor zu erzielen. Doch das wussten die Löwen zu verhindern. Ab der 55. Minute war es im Grunde nur noch ein Spiel auf ein Tor. Auf das des FCK. Nur, clever stellten sich die Löwen dabei nicht an. 

Es war die Brechstange, die die Mannschaft herausholte. Die erste, gefährliche Aktion galt es erst in der 67. Minute zu bestaunen. Der agile Yildirim hielt aus 23 Metern drauf und Gästekeeper Sievers konnte den Ball gerade noch fausten. Als in der 72. Minute Abdullahi nach schöner Vorarbeit von Bulut aus 12 Metern den Anschlusstreffer markierte, wachten die Braunschweiger Fans wieder auf. Sofort war sie wieder da, die Hoffnung auf mehr.

Aber es sollte nicht sein. Bis auf einen fulminanten Lattenkracher von Ken Reichel (85.), der weiter auf sein erstes Tor wartet,  kam nichts Zählbares mehr heraus. Trotz aller Bemühungen, die man den Löwen nicht absprechen kann. Aber das war unter dem Strich zu wenig.

Eine katastrophale erste Spielhälfte und eine kampfbetonte zweite, das reichte nicht aus, um das Schiff auf Kurs zu bekommen. So oder ähnlich dürfte denn auch der Rest der Saison verlaufen. Viel Krampf, viel Kampf und wenig Klasse. Das ist die Eintracht 2018. Möge sie wenigstens von weiterem Verletzungspech verschont bleiben und mit etwas mehr Glück verwöhnt werden. Sie werden alles in die Waagschale werfen müssen für den Klassenerhalt. Da ist Einigkeit geboten.

Lieberknechts Ende?

Zwischen Mannschaft, Trainer und Fans scheint die gegeben, zwischen Trainer und Vereinsführung trotz aller Bekundungen wohl eher nicht. Nach zehn Jahren treuer Arbeit eines emotionsgeladenen Trainers stehen die Weichen in Braunschweig auf Veränderung. Ob die auch den Manager trifft, darüber wird aktuell spekuliert. Viele Fans sehen in Manager Marc Arnold und Geschäftsführer Sören Oliver Vogt die wahren Verantwortlichen für die überraschend negative Entwicklung.

Zur Pressekonferenz nach dem Spiel waren sie denn alle gekommen, zum ersten Mal in dieser Saison in geballter Formation. Als Zeichen für die Medien, dass man alles unter Kontrolle habe, oder als Zeichen für den Trainer, ja nicht wieder aus der Reihe zu scheren? Nun, das wird wohl für immer unbeantwortet bleiben.

Die nächste Partie bestreitet Eintracht Braunschweig beim Tabellensechsten SV Sandhausen (Sonntag, 11.2. um 13.30 Uhr), im nächsten Heimspiel am 18. Februar empfangen die Löwen um 13.30 Uhr die Eisernen von Union Berlin. Eine Mannschaft, die sich auch eher nach oben orientierte, auf Rang zehn aber alles andere als zufrieden verweilt.

Spielerstimmen nach dem Spiel: Zuerst Georg Teigl, dann Mannschaftskapitän Ken Reichel:

Pressekonferenz mit Michael Frontzeck und Torsten Lieberknecht: