Eintracht: Wieder schlecht gespielt, diesmal aber gewonnen.

Elfter Spieltag in der 2. Bundesliga, Eintracht holt drei glückliche Punkte gegen den VfL Bochum und rückt damit auf Rang acht vor. So gesehen könnte man sagen, sch…-egal, Hauptsache gewonnen. Doch ganz so einfach sollten es sich vor allem die Verantwortlichen bei Eintracht Braunschweig nicht machen.  Denn der Erfolg durch den frühen Treffer von Özkan Yildirim war mehr als glücklich. Die bessere Mannschaft war unstrittig der VfL.  Die Westfalen waren in allen statistischen Bereichen überlegen. Nur bei der Chancenverwertung hatten die Löwen die Nase vorn.

Dabei fing es gar nicht so schlecht an. Zuerst einmal meldete sich Block 9 aus der Südkurve lautstark zurück und Neuzugang Yildirim nutzte eine Rückgabe von Sauer zur frühen, umjubelten Führung (7.). Doch die Gäste vom VfL Bochum schüttelten sich kurz und zeigte sich unbeeindruckt. Danilo (18.), Hinterseer (21.) und Eisfeld (28.) ließen aber beste Chancen ungenutzt. Und im Fußball wird so etwas allzu häufig bestraft.  Doch noch war ausreichend Zeit. In der 34. Minute war es dann so weit. Baffo brachte Kruse zu Fall, die Eintracht-Fans rauften sich ob des fälligen Elfmeters die Haare. Das taten sie jedoch umsonst, denn Schiedsrichter Dr. Martin Thomsen pfiff nicht. Da schwante es es den wenigen Bochumer Fans bereits, dass es am heutigen Tag für die fleißige Arbeit keinen Lohn  geben würde.

Den 19.000 Braunschweiger Zuschauern war es naturgemäß egal. Eintrachts Offensivbemühungen in dieser Phase einfallslos, uninspiriert und nie originell. Und Aussenverteidiger Sauer hatte zusätzlich nicht seinen besten Tag erwischt und hatt fünfmal das Nachsehen. Das alles hatte seine Ursache nicht – wie viele vermuteten – in der Verletzung von Torwart Jasmin Fejzic, der in der 5. Minute gegen Marcel Engelhardt ausgetauscht werden musste. Es lag auch nicht am Gegner. Die Partie war  alles andere als ein Feuerwerk fußballersicher Kunst. Fehlpässe, Befreiungsschläge und viel zu wenig Bewegung. 

Aber einen Aufreger gab es in Durchgang eins dann doch noch. Kurz vor dem Halbzeitpfiff verletzte sich Baffo im Zweikampf mit Kruse schwer am Knie und droht für viele Wochen auszufallen.

Zuck kommt

Für Baffo kam Zuck und Torsten Lieberknecht musste umstellen. Reichel kehrte zurück in die Abwehrreihe und Breitkreuz in die Innenverteidigung. Das nahm der ohnehin schwächelnden Offensive noch mehr Wind aus den Segeln. Zwar versuchten die Gäste, den Raum zu nutzen und hatten gefühlt 90 Prozent Ballbesitz, doch dramatische Strafraumszenen waren weder hüben noch drüben zu bestaunen. Gelegentlich reduzierte sich die Spielqualität auf Oberliga-Niveau und war nur noch schwer verdaulich. Einzig nennenswert in Durchgang zwei der stramme Schuss von Yildirim in der 73. Minute. Den aber konnte Bochums Keeper Riemann an die Latte lenken.

Das war’s!

Spielerisch wusste die Eintracht einmal mehr nicht zu überzeugen. Die Abwehrreihe konnte sich glücklich schätzen, dass die Gäste mit ihren Chancen so sträflich schlecht umgingen. Herr der Lage war sie allzu oft nicht. Im Mittelfeld erneut wieder nur Magerkost. Aber wer sollte da auch Akzente setzen. Moll? Samson? Am ehsten noch Khelifi. Der das auch versuchte, aber eine Schwalbe macht bekanntlich keinen Sommer. Das Fehlen der Wuselmaschine Hernandez (verletzt) machte sich deutlich bemerkbar, und Nachwuchsmann Dacaj saß nicht einmal auf der Bank. 

Wie sollte da der Sturm noch glänzen? Der seinem Namen derzeit ohnehin keine Ehre macht. Millionen-Einkauf Abdullahi saß auf der Bank und blieb auch dort. Vermisst haben ihn nur wenige. Kumbela immer noch verletzt, Tietz mal wieder in der Versenkung verschwunden. So lastete alles auf Nyman. Der beackerte jeden Quadratzentimeter des Platzes, konnte sich dabei aber nicht eine einzige Chance erspielen. Statt ihn in der 81. Minute gegen Biada auszutauschen, hätte Trainer Lieberknecht ihn besser mit Biada unterstützen sollen.

Dass es aktuell nicht für mehr reicht, das ist aber in erster Linie nicht der Mannschaft anzukreiden, sondern dem Manager und Trainer. Das klingt für viele Eintracht-Fans wahrscheinlich blasphemisch. Aber immer mehr Fans wagen sich an das Thema „Trainerfrage“. Von herzerfrischendem Offensivfussball ist die Eintracht derzeit Lichtjahre entfernt. Schöne Spielzüge haben Raritätswert und Kurzpass-Spiel ist offensichtlich kein Mittel, um Gegner stehen zu lassen. 

Wenig erbaulich auch die Laufbemühungen und Laufwege. Zum einen rennen die Löwen oft weniger als ihre Gegner und wenn es gilt, schnell umzuschalten, ist das Spiel zu statisch und zu breit angelegt. So bleibt jedem Gegner ausreichend Zeit, sich zu formieren.

Dennoch hoffen auch die Kritiker der Eintracht, dass ihr Pessimismus zu heftig ausfällt. Aber wenn die Mannschaft tatsächlich mehr kann, dann sollte es dem Trainer auch gelingen, das Vermögen abzurufen. Gelingt ihm das nicht, muss er sich fragen lassen warum. Das permanente Starkreden eines jeden Gegners ist jedenfalls nicht das rechte Mittel. Das zeigt ja die Tabelle – Platz acht nach elf Spieltagen. Gewinnt Dresden oder Aue am Sonntag (13.30 Uhr), dann geht es wieder runter auf Platz zehn.

Hier die Trainerstimmen nach dem Spiel: