Gesanglicher Hörgenuss im Herrenhaus Sickte

Zärtlich und liebevoll begann das Cantiamo-Quintett seinen Liedvortrag am Sonntag im Sickter Herrenhaus mit „La Violetta“, einem innigen Werk italienischen Ursprungs. Die Sängerinnen legten hier ihre Gefühle offen, das Publikum im überfüllten Saal war sofort sehr tief berührt und belohnte diesen musikalischen Eingang mit entsprechendem Applaus. Die Gesangsvielfalt  dieses neuen Ensembles wurde gleich in einem zweiten Werk absoluten, inhaltlichen Gegensatzes vorgestellt.

„Tanzen und Springen“ (H.L.Hassler). Lustig und mitreißend führten die fünf Damen in eine schöne und lustige Welt um dann auch gleich mit „Come again“ (J. Dowland), alle Zuhörer in diese schöne Welt des Chorgesanges einzuladen. Sehr überzeugende Dynamik ging mit den sauberen Klangfarben

einher, Rhythmik und Harmonie überzeugten vom ersten Moment an. 

Das angenehm gestaltete Programm führte dann mit geistlichen Werken in die Zeit der Romantik. Hier führte das Quintett in die Welt kirchlicher Liedmusik: Ave Maria (J.Brahms), 23. Psalm (F.Schubert), Nigra sum (P. Casals) wurden mit Klavierbegleitung von Hisae Otsuka—Stroh in einer Weise vorgetragen, die unbedingt an die Entstehungszeit der Werke erinnerte und das musikalische Einfühlungsvermögen der Gruppe unter Beweis stellte. Der Programmabschnitt wurde beendet mit dem impressionistischem Klang des „Sanctus“ (A. Caplet) . Durch seine gesanglichen Anpassungen zeigte das Quintett, dass es sich auch in dieser Musikwelt wohl fühlt. Eine kleine rhythmische Differenz zwischen den Sängerinnen und der Klavierbegleitung wurde in offener Weise durch Neubeginn des Werkes in noch schönerer Klangweise abgegolten.

Die sehr anspruchsvollen Werke forderten von Ihnen den absoluten Einsatz und sie erfüllten dies mit voller Überzeugung mit passenden rhythmische Bewegungen und solistischen Einsätzen. Diese brachten das Publikum in heftigem Maße zum innerlichen als auch körperlichen Miterleben.

Die japanische Welt ist gar nicht so fremd und unverständlich. Hisae Otsuka-Stroh zeigte in Ihrem 1. Klaviersolo „Spiel der Wellen“ (A. Miyoshi), dass die Naturgewalten musikalisch in  Japan genauso klingen wie an der Nordsee. Leises Meeresrauschen und gewaltige Wellenstürme waren auch in unserer Sprache absolut hörbar und wurden von der Pianistin mitreißend vorgestellt, großer Applaus.

Dass die Gruppe auch solistisch hervorragend zusammenarbeitet, wurde zunächst durch das „Herbstlied“  (F. Mendelssohn-Bartholdy) durch Uschi Neuber (Sopran) und Agnes Kauer (Mezzosopran) in eingehender Weise vorgestellt und dann mit  „Abends will ich schlafen gehen“ (E. Humperndinck: Hänselund Gretel) durch Uschi Neuber und Gitta Karstens (Alt) bestätigt. Das Publikum wurde aber sofort wieder aufgeweckt durch das gesamte Quintett „In meinem Garten“ (R.Schumann).

In ihrem zweiten Klaviersolo zeigte Hisae Otsuka-Stroh noch einmal ihr Können, die japanischen Gefühle musikalisch in ein reines Deutsch zu übersetzen. „Variationen über die rote Libelle“ von H. Miyake ließen die Libellen im Herrenhaus frei herumfliegen. Hisaes Virtuosität kam hier zum Ende des Stückes in voller Pracht zur Entfaltung. Donnernder Applaus war der Dank der Zuhörer.

Volkslieder in modern bearbeiteter Fassung leiteten das Ende dieses außerordentlichen gesanglichen Konzertabends ein. „Du liegst mir im Herzen“;  „Ade zur guten Nacht“, „Hab mein Wage voll gelade“ und „Blackbird“  wurden nun vorgetragen, deren teilweise äußerst schwierigen Harmonien von den Damen des Quintetts in sehr guter Korrektheit dargeboten wurden.

Das begeisterte Publikum forderte mit langem und teilweise rhythmischem Applaus eine Zugabe und diese wurde mit einem norwegischen Volkslied „Pols-fra Dunderlandsdalen“ (R. Rasmussen) in bester Weise erfüllt.

Nicht zuletzt durch die Auswahl einiger zwar bekannter Werke, jedoch deren musikalische Verarbeitung in nicht so bekannten Sätzen, führten dazu, dass der gesangliche Vortragsabend zu einem interessanten Hörgenuss führte,  der fast ausschließlich aus Höhepunkten bestand.

Die Ausführenden des Quintetts Cantiamo: Ingrid Hilpert, Gitta Karstens, Agnes Kauer, Uschi Neuber und Hedwig Struppek; Klavier: Hisae Otsuka-Stroh.

Dieter Kauer      

Foto: Privat