Intensives Niedersachsen-Derby endet Remis – Daniel Didavi verpasst Vorentscheidung

Wolfsburg. Im Niedersachsen-Derby am dritten Spieltag der aktuellen Bundesliga-Saison vor 27321 Zuschauern in der nicht ausverkauften VW-Arena trennten sich der VfL Wolfsburg und Aufsteiger Hannover 96 leistungsgerecht 1:1 (0:0). Nachdem der VfL zu Beginn der zweiten Halbzeit nach einem direkt verwandelten Freistoß von Daniel Didavi (52.) in Führung gegangen war, kamen die 96er nach einem Hackenstoß von Martin Harnik (74.) zum Ausgleich.

Bei der Premiere von Divock Origi, der kurz vor Transferschluss noch für diese Saison vom FC Liverpool ausgeliehen wurde, zeigte sich der VfL im Angriffsspiel gleich viel flexibler.

Die Innenverteidigung musste VfL-Cheftrainer Andries Jonker im Vergleich zum Frankfurt-Spiel durch den verletzungsbedingten Ausfall von Marcel Tisserand erneut neu besetzen. Die taktische Ausrichtung allerdings blieb. So spielte Felix Uduokhai an seinem 20. Geburtstag auf der linken Position der Abwehr-Dreierkette. Ob es bei der Dreierkette dauerhaft bleibt, ließ Andries Jonker bei der anschließenden Pressekonferenz offen. Vielmehr sprach er von Unwägbarkeiten unter der Woche, die ihn zu einer gewissen Improvisation in der Aufstellung herausgefordert hatten. Trotz unvollständiger Trainingswoche entschied er sich für Ignacio Camacho, der zwischen den Innenverteidigern sein Zweikampfpotential abrufen durfte und seine Aufstellung rechtfertigte. Zudem stand der junge William zum ersten Mal in der Startformation der Wölfe und überzeugte auf der rechten Außenbahn.

Der VfL startete druckvoll und versuchte die 96er schon in deren eigenen Hälfte unter Druck zu setzen. Mario Gomez und Divock Origi stellten die Innenverteidiger der Gäste zu und Daniel Didavi das Zentrum, so dass sich die Hannoveraner oft nur mit langen Bällen auf ihren Königstransfer Jonathas zu helfen wussten. Dennoch hatten die 96er in der zweiten Spielminute die erste Chance als sie das noch nicht in Perfektion einstudierte VfL-Pressing umgehen konnten, doch Jonathas verpasste die Hereingabe von Martin Harnik. Im weiteren Spielverlauf belauerten sich die Niedersachsen-Kontrahenten, ohne dass auf beiden Seiten klare Chancen nach Ballbesitz kreiert werden konnten.

Oft stand Daniel Didavi inmitten vielversprechender Offensivaktionen der Wölfe. Blieb er in der achten Spielminute noch zu ungenau, setzte er in der 17. Minute Divock Origi mit einem Vertikalpass in Szene, der aber knapp diagonal verzog. Nach einem Didavi-Freistoß stand Mario Gomez in leichter Abseitsposition (29.), der VfL wurde in dieser Phase dominanter und war spielbestimmend. In der 35. Minute das sicher geglaubte Tor für den VfL, doch Mario Gomez verletzte sich schwer in einer Aktion in der er sonst sicher einnetzt. Josuha Guilavogui hatte von der rechten Seite ins Zentrum gespielt. Anstatt mit der rechten Innenseite den Ball zu verwandeln, knickte Mario Gomez mit dem linken Fuß derart heftig um, dass er in der 40.Minute ausgewechselt werden musste und wollte. Der Wechsel vollzog sich holprig, denn der VfL-Nationalspieler war schneller vom Feld als Einwechselspieler Landry Dimata bereit war.

Es droht ein längerer Ausfall des zentralen Stoßstürmers und Torgaranten des VfL. Neuzugang Divock Origi hatte viele gute Szenen und zeigte eine sehr ansprechende Leistung in seinem Auftaktspiel.

Die zweite Halbzeit startete mit einer sehr guten Chance von Felix Klaus, der im vollem Tempo vom linken Flügel in das Zentrum drang und seinen Meister in VfL- Torwart Koen Casteels fand (49.). Das hätte die Führung für den Aufsteiger sein können! Fast im direkten Gegenzug doppeltes Glück für die Wölfe. Nach einem unnötigen Handspiel vom starken 96-Innenverteidiger Sané, verwandelte Daniel Didavi den fälligen Freistoß (52.)direkt aus zentraler Position unter gütiger Mithilfe der Gäste-Mauer, die dem Ball auswich. Jetzt begann die beste Phase der Wölfe und das Stadion war da und unterstützte lautstark. Nach einem Fernschuss von Didavi (56.) gab es in der 60. Minute die Doppel-Chance zur Vorentscheidung. Erst gelang es dem pfeilschnellen Divock Origi sich über die linke Seite durchzusetzen und in den Rücken der Abwehr zu passen, aber Daniel Didavi verpasste diese Top-Chance aus zwölf Metern zu verwerten. Anschließend kam Origi selbst nicht an den Ball als er die Hereingabe von Josuha Guilavogui nicht erreichte. In dieser Phase hätten die Wölfe das Spiel entscheiden können. Das stellte auch Andries Jonker in der Pressekonferenz nachher heraus und trauerte dem verpassten Sieg hinterher: „…in diesem Spiel steckten drei Punkte für uns und obwohl ich mit der Mannschaftsleistung zufrieden bin, hätten wir nach den Rückschlägen unter der Woche die Punkte gerne mitgenommen.“ Gäste-Coach André Breitenreiter sprach von einem insgesamt „leistungsgerechtem Unentschieden“ und zeigte sich stolz, ob der bereits erreichten sieben Punkte nach drei Spieltagen.

Die Spielerwechsel der Gäste stachen, denn Ihlas Bebou und Kenan Karaman sorgten sofort für eine Belebung des Offensivspiels des Aufsteigers. In der 74. Minute ließ der antrittsschnelle Ihlas Bebou Yannick Gerhardt stehen und aus dem Gewühl heraus zeigte Martin Harnik seine ganze Routine und Torjägerqualitäten als er mit der Hacke zum Ausgleich abschloss und damit sowohl Robin Knoche als auch Koen Casteels überraschte. Mit der Einwechselung von Yunus Malli versuchten die Wölfe noch einmal alles um den ersten Heimsieg zu erringen. Die spielerischen Fähigkeiten beider Teams waren über die gesamte Spielzeit erkennbar und von guter Qualität. Defensive Schwierigkeiten konnten die Wölfe spielerisch lösen und auch im Angriffsspiel gab es vielversprechende Ansätze. Eine siegbringende Chance konnte allerdings trotz hohem Ballbesitz in der Schlussphase nicht mehr herausgespielt werden.

Am kommenden Wochenende (Samstag, 16.09.2017 um 15.30 Uhr) stellt sich das VfL-Team beim zweiten Aufsteiger dem VfB Stuttgart vor.

Schon bald trifft der VfL in der VW-Arena erneut auf den heutigen Gegner Hannover 96, da es im DFB-Pokal am 25.Oktober um 18.30 Uhr erneut zu dem Aufeinandertreffen kommt. Allerdings wird es dann einen Sieger geben müssen!

Zahlen und Fakten zum Spiel:

VfL Wolfsburg: Casteels – Knoche, Camacho, Uduokhai – William, Guilavogui, Arnold, Gerhardt – Didavi (80. Malli) – Origi, Gomez (40. Dimata)

Hannover 96: Tschauner – Korb, Sané, Felipe, Ostrzolek – Anton, Schmiedebach (64. Bebou), Bakalorz, Harnik, Klaus (64. Karaman) – Jonathas (76. Füllkrug)

Tore: 1:0 Didavi (51.), 1:1 Harnik (75.)

Gelbe Karten: – / Korb

Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)

Zuschauer: 27.321 am Samstagnachmittag in der Volkswagen-Arena