Jetzt zählt nur noch der Fussball

Heute Abend ab 20.30 Uhr gilt es. Kann Zweitligist Eintracht Braunschweig die 0:1-Niederlage aus dem ersten Relegationsspiel um den Verbleib oder den Aufstieg in die Bundesliga gegen Erstligist VfL Wolfsburg wettmachen oder nicht? Eine Frage, die weder Laie noch Fachmann beantworten können. Zu komplex sind die Einflüsse, die dafür sorgen, ob es ein guter oder ein schlechter Tag wird für eine Mannschaft. 

Für Medien allerdings eine willkommene Situation, alle Register modernen Journalismus zu ziehen. Dass es dabei kaum noch um sportliche Aspekte geht, wundert kaum. Was und worüber will man auch tagein tagaus parlieren? Fußballer wollen gewinnen und genau das erwarten auch die Fans von ihrer Mannschaft. Alles andere ist für sie unbedeutend. Wirtschaftliche Aspekte, langfristige Wirkung, die Gültigkeit von Verträgen, all das spielt nur eine untergeordnete Rolle. Mann gegen Mann, Auge um Auge, hier zählen nur die wahren Werte.

Das haben die Vereine erkannt. Selten war in der Bundesliga so viel von Stolz die Rede wie in dieser Saison. Ob Eintrachts Trainer Torsten Lieberknecht oder Dortmunds Geschäfts-führer Hans-Joachim Watzke, beide zeichnen in der Öffentlichkeit ein Bild, als gäbe es für sie nur eine Möglichkeit, ihrer professionellen Passion nachzukommen. Und sie sind nicht allein. Alles eine Frage der Ehre.

Aber was zeichnet den Fußball wirklich aus? Sozialromantik oder Ökonomie? Genau betrachtet bleibt nur Ökonomie übrig. Von der Faszination „wir sind alle eine Familie“ bleibt am Ende nichts übrig. Sind die Fans an Entscheidungen der Klubs unmittelbar beteiligt? Nein! Auf keiner Ebene.  Wird über das, was im Klub vorgeht, breit und offen informiert? Nein!

Es geht um Millionen. Und wie die verteilt werden, darüber wird hinter verschlossenen Türen gesprochen. Was grundsätzlich nichts Schlimmes ist, das machen alle Unternehmen so.

Und da wollen die Medien natürlich nicht hinten anstehen. Fußball, Ehre, Ruhm, Aufstieg, David gegen Goliath, so macht man Auflage, so macht man Geld. Ach wäre doch bloß immer Relegation, oder EM, oder WM, oder Champions League, oder so etwas. Und über die Bedeutung von Feiertagen können wir in dem Kontext auch gleich noch sprechen.

Ja, das sind die gleichen Medien, die auch gern einmal von Bescheidenheit und Demut reden. Aber kommen wir zurück auf das Thema, um das es eigentlich geht – Relegationspiele.

Der Sechzehnte der Bundesliga gegen den Dritten der zweiten Liga, Wolfsburg gegen Braunschweig. Die mit namhaften Akteuren gespickte Elf des VfL hat das Hinspiel Dank eines geschenkten Elfmeters 1:0 gewonnen. Es hätte auch umgekehrt sein können, ist es aber nicht.

Dass die Wolfsburger auf allen Positionen die besseren Fußballer sind, darüber muss und kann man auch nicht streiten. Eintracht aber ist die homogenere Mannschaft, das Team mit den größeren Emotionen, dem größeren Kämpferherz. Und das ist das Einzige, was die Löwen in die Waagschale werfen können. Mal abgesehen von dem einen oder anderen Distanzschuss unserer Torfabrik Ken Reichel.

Ob da Domi Kumbela aufläuft oder Christoffer Nyman, das spielt längst keine Rolle mehr. Und die Frage stellt sich auch gar nicht. Kumbela und Biada fallen definitiv aus. Correia und Ofosu-Ayeh auch. Ob Schönfeld von Beginn an dabei ist, wird sich zeigen; spielt aber auch keine besondere Rolle. Es müssen die auf den Platz, die in der Lage sind, bei diesen Temperaturen 90 Minuten lang zu kämpfen. So wie Boland und Reichel. Sie alle müssen vom Anpfiff an zeigen, dass sie es wollen – den Traum wahr werden lassen. Damit der Funken auf die Ränge überspringt.

Und dann kommt es darauf an, dass es den Fans gelingt, ihre Mannschaft auf einer Woge der Begeisterung durch das Spiel zu tragen. Dann ist die kleine Sensation durchaus drin. Löwen, vergesst die ganzen medial aufgebauschten Geschichten über nasse Schuhe, verweigerten Respekt oder unberechtigte Schiedsrichter-Entscheidungen. Entweder, die Eintracht schießt mindestens zwei Tore, oder es ist aus mit dem Traum von Liga Eins. Aber mal ehrlich, letztlich ist das doch egal. Wenn nicht jetzt, dann eben morgen. Zeigt Größe. Wir können, müssen aber nicht aufsteigen.