Oh, wie bitter – VfL Wolfsburg in die Relegation

Hamburg. Vor 57.000 Zuschauern im ausverkauften Volksparkstadion verlor der VfL Wolfsburg am 34.Spieltag mit 1:2 (1:1) gegen den bis dato ebenfalls stark abstiegsgefährdeten Hamburger SV und muss nun seinerseits in die Relegationsspiele um den letzten verbleibenden Bundesliga-Startplatz für die Saison 2017/2018 gehen. Die Spiele finden am Donnerstag, den 25. Mai und Montag, den 29. Mai jeweils um 20.30 Uhr statt.

Der VfL zeigte sein vorhandenes Potential in den ersten dreißig Minuten und ging auch folgerichtig in der 23. Minute nach Flanke von Sebastian Jung und erstklassigem Kopfball von Robin Knoche in Führung. Weitere gute Chancen wurden vom gut aufgelegten HSV-Keeper Christian Mathenia vereitelt. Sowohl der Schuss von Mario Gomez in der achten Minute aus halbrechter Position als auch der Fernschuss-Knaller von „Kuba“ Blaszczykowski (22.) wurden entschärft. Der HSV fand bis zu diesem Zeitpunkt nicht statt, so dass keiner der mitgereisten 6000 Wolfsburger Anhänger Zweifel an der Marschroute oder der taktischen Ausrichtung von VfL-Cheftrainer Andries Jonker hegte. Immerhin wurde die Startelf erneut auf vier Positionen verändert, obwohl nur Riechedly Bazoer als einziger wegen einer Gelbsperre ersetzt werden musste. Dennoch nachvollziehbar, wenn man sich an den leblosen Auftritt nach der Regenpause im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach erinnert. Philipp Wollscheid rückte in die Innenverteidigung neben Robin Knoche, Yannick Gerhardt war nach Gelbsperre zurück auf der linken Seite in der Viererkette, Yunus Malli für Daniel Didavi im Spiel und „Kuba“ startete für Bazoer auf der rechten offensiven Außenbahn. Luis Gustavo rückte auf seine angestammte Position im zentralen defensiven Mittelfeld neben Josuha Guilavogui.

Allesamt teilweise aktuelle oder ehemalige Nationalspieler ihres Heimatlandes. Andries Jonker vertraute der durchweg vorhandenen Qualität seines Kaders, mit der er seit Amtsbeginn kokettierend den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga erreichen möchte.

In der 32. Minute dann wie so oft in dieser Saison zwei fatale individuelle Fehlentscheidungen. Josuha Guilavogui steht in einer defensiven Ausrichtung zum Ball, so dass nur ein Rückpass möglich erscheint. Philipp Wollscheid geht als Innenverteidiger in den Zweikampf mit drei Hamburgern, verliert den Ball, so dass eine für den VfL nicht mehr zu verteidigende Umschaltsituation entsteht, die der HSV über Lewis Holtby und den Torschützen Filip Kostic dankbar zum 1:1 in der 32. Minute verwerteten. Das Tor kam aus dem Nichts und verwandelte die Stimmung und mentale Situation der Teams entscheidend.

Dennoch hatte Yunus Malli die hervorragende Torchance kurz vor dem Halbzeitpfiff, als er nach Kombination mit Mario Gomez frei vor dem Hamburger Tor auftauchte, aber knapp am linken Torpfosten verzog.

In der zweiten Halbzeit kam Vierinha für „Kuba“ und machte gleich mit einem gefährlichen Fernschuss auf sich aufmerksam (47.). Die Spielanteile lagen nun mehr beim HSV und man konnte mit zunehmender Spieldauer den Eindruck gewinnen, dass die Wölfe dieses Remis für sich sichern wollten. Bis auf wenige Gelegenheiten, die als Entlastungsangriffe zu bezeichnen sind, fand das Spiel größtenteils in der Wolfsburger Spielhälfte statt. In der 63. Minute setzte Mario Gomez einen artistischen Fallrückzieher an, wurde aber geblockt. Eine Konterchance über Paul-Georges Ntep (67.) wurde zu unpräzise ausgespielt. Aber auch der Hamburger SV zeigte sich nicht kreativ im Herausspielen von Torchancen. Oftmals ging es nur über Standardsituationen, die von der VfL-Abwehr aber leicht zu verteidigen waren.

Doch was war das für ein Abwehrverhalten in der 87.Minute? Götoku Sakai schlug einen Diagonalball auf die linke Seite zu Filip Kostic und weder Vierinha noch der eingewechselte Victor Osimhen hatten augenscheinlich Lust die Flanke zu verteidigen. Die Viererkette wurde überspielt, Yannick Gerhardt unterschätzte den Ball und Gian-Luca Waldschmidt bedankte sich mit seinem ersten Bundesligatreffer, nachdem er kurz zuvor eingewechselt wurde. Jegliche Versuche das Relegations-Unheil abzuwenden, scheiterten oder kamen zu spät. Maximilian Arnold setzte sich technisch hochwertig durch, fand aber auch im HSV-Torwart Christian Mathenia an diesem Nachmittag seinen Meister.

Gibt es in dieser Saison noch ein Happy End für den VfL? Was ist der Grund dafür, dass auch mit dem dritten Trainer der Erfolg nicht einsetzt?

Es bleibt jedoch nicht lange Zeit darüber ausschweifend nachzudenken, da für die Region hochemotionale Relegationsspiele bevorstehen.

Zahlen und Fakten zum Spiel:

Hamburger SV: Mathenia – Sakai, Papadopoulos, Mavraj, Ostrzolek– Ekdal (71. Jatta), G. Jung, N. Müller (64. Gregoritsch), Holtby (86. Waldschmidt), Kostic – Wood

VfL Wolfsburg: Casteels – S. Jung (76. Osimhen), Knoche, Wollscheid, Gerhardt – Guilavogui, Luiz Gustavo – Blaszczykowski (46. Vieirinha),  Malli (84. Arnold), Ntep – Gomez

Tore: 0:1 Knoche (23.), 1:1 Kostic (30.), 2:1 Waldschmidt (88.).

Gelbe Karten: Sakai, Papadopoulos / Guilavogui, Vieirinha

Zuschauer: 57.000 Zuschauer (ausverkauft) am Samstagnachmittag im Volksparkstadion

Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)