Schlimmer geht’s nimmer – Eintracht steigt nach 2:6 in Kiel ab

Eintracht Braunschweig ist drittklassig. Zu recht und völlig verdient. Mit einer absolut indiskutablen  Leistung verabschiedete sich der selbst ernannte Aufstiegsaspirant aus der 2. Liga. Eine Kieler B-Elf demütigte und prügelte die Löwen mit 6:2 in Liga drei . Eine dermaßen schwarze Stunde haben die Eintracht-Fans weder erwartet noch jemals erleben müssen. In keiner Phase des Spiels konnte Blau-Gelb den Nachweis erbringen, Zweitliganiveau zu besitzen. Oder sie wollten es nicht abrufen.

Hoffentlich macht das Präsidium und die Geschäftsführung das jetzt nicht ähnlich. Es muss einen Umbruch geben. Klar ist, es kann nicht weitergehen mit Torsten Lieberknecht. Doch allein in ihm den Schuldigen zu suchen, wäre falsch. Manager Arnold hat den Leistungsbeweis ebenfalls nicht erbracht. Und selbst das Präsidium um Sebastian Ebel muss sich die Frage gefallen lassen, wie es zum Niedergang beigetragen hat? Zehn Jahre geackert und sportlich keinen Zentimeter vorangekommen. Das ist ein bisschen wenig für einen Traditionsverein. Offensichtlich hat man sich die Lage der Mannschaft seit Jahren schön geredet. Das endete jetzt schrecklich peinlich. Weitermachen wie bisher? Hoffentlich nicht. In Braunschweig ist Fußball-Sachverstand gefragt. Die Blase „Top-25“ ist geplatzt.

„B-Elf“ startet

Vor dem Spiel gegen Holstein Kiel sah alles nach idealen Bedingungen für die abstiegsbedrohten Braunschweiger aus. Kiels Trainer Anfang schickte eine auf sieben Positionen veränderte Elf auf den Rasen, die von vielen Fachleuten als B-Mannschaft bezeichnet wurde. Torsten Lieberknecht änderte seine Mannschaft auf vier Positionen. Abdullahi spielte in der Spitze, wo er bekanntermaßen weniger gut zur Geltung kommt. Bulut sollte auf rechts für Offensivdrang sorgen, so wie Biada in der Mitte als hängende Spitze. Auf der rechten Verteidigerposition bot der Pfälzer mit Kijewski  einen quirligen Youngster auf.

Die Rechnung und Spekulationen schienen aufzugehen. Hochscheidt brachte nach einer frechen Einzelleistung die Gäste in Führung. Gleich vier Kieler Störche lies der Routinier blass aussehen und stehen. Alles schien ein gutes Ende in dieser verkorksten Saison zu nehmen. 

Zu diesem Zeitpunkt ahnten die 2.000 Gäste-Fans noch nicht, dass die Führung zu einer kompletten Blockade führen sollte. Nach dem 0:1 fingen nämlich die Störche an zu spielen und wurden in der 16. Minute mit dem Ausgleich durch Seydel belohnt. Wobei Reichel und Valsvik mit einer unverständlichen Passivität tatkräftig Unterstützung leisteten. Zwar ging die Eintracht durch Reichel, der perfekt von Biada geschickt wurde, noch einmal in Führung (19.), doch die Freude währte nur kurz. 

Das Unheil bahnt sich an

Kiels B-Elf spielte zunehmend Katz und Maus mit der Braunschweiger Abwehr. So schlecht war die in dieser Saison noch nicht aufgetreten, rühmte sich gar, eine der besten der Liga zu sein. In der 30. und in der 33. Minute hatten die Störche aber keine Mühe, zu weiteren Treffern zu kommen. Lewerenz bringt Kiel in Führung, Cichos erhöht per Kopf.  Nicht die Mannschaft, die mutig und frech aufspielen wollte, bestimmte das Geschehen, sondern der Aufsteiger, bei dem zwei Akteure sogar das erste Mal in der 2. Liga auf dem Feld standen.

Ein Aufbäumen der Löwen? Das war nicht zu sehen. Bulut irrte über das Spielfeld, Moll bekam kaum einen geraden Ball zustande, Valsvik, Tingager und Reichel ließen Zweitliga-Qualitäten komplett vermissen. Und Abdullahi war bestenfalls anwesend, für Unruhe und Gefahr sorgte er nicht. Die Fans hätten zumindest ein Aufbäumen erwarten dürfen. Kampfgeist und unbedingten Willen. Fehlanzeige auf ganzer Linie. Eintracht Braunschweig spielte wie ein Absteiger. Was umso erstaunlicher war, weil ja niemand mehr sagen konnte, er habe die aktuelle Lage verkannt.

Mit zwei Toren Rückstand ging es dann in die Kabine.

Blamables 2:4

Mit Wiederanpfiff brachte Lieberknecht Kumbela für Abdullahi, dessen Einsatz wohl doch zu früh kam. Doch am Spiel der Blau-Gelben änderte sich nichts. In der 53. kamen Teigl und Yildirim für Moll und Valsvik. Alles oder nichts, das war die Devise. Kurz davor machte auch noch die Runde, dass Fürth in Heidenheim in Führung gegangen war. Jetzt schien sich alles gegen Eintracht verschworen zu haben.

Doch noch immer kein Lebenszeichen der Eintracht. Im Gegenteil. Mitten in die vermeintliche Aufbruchphase hinein erlaubte sich Tingager den nächsten „Klopfer“ und Seydel, seinen Mannschaftskameraden Lewerenz  zu bedienen, der gemütlich zum 5:2 vollendete. Und der legte gleich noch eins nach. Erneut war die Eintracht-Abwehr nicht im Bilde. 6:2 nach 60 Minuten, das war bereits zu diesem Zeitpunkt ein Debakel.

Der Rest des Spiel ist schnell erzählt. Kiel dem 7:2 näher als Eintracht dem dritten Treffer. Selbst klare Möglichkeiten konnten oder wollten die Löwen nicht mehr unterbringen. Ein Reporter brachte es auf den Punkt: „Die Kieler waren eine Elf, die Eintracht ein überraschend passiver Haufen.“ Der sonst so aktive und lautstarke Anhang der Eintracht stand wie versteinert in der Kurve und wollte nicht glauben, was es da zu sehen gab. Arbeitsverweigerung, individuelle Fehler, und einen Trainer, dem man die Enttäuschung zwar abnimmt, was jedoch an seiner Verantwortlichkeit nichts ändert.

Was jetzt, Eintracht? Weiter wie bisher?

Mag sein, dass es hinter den Kulisssen im Verein bereits seit Monaten nicht mehr stimmt und Lieberknecht sich längst verabschiedet hat. Vielleicht, weil ihm der Manager und das Präsidium die Gefolgschaft verweigert haben. Anders kann man den Niedergang der vergangenen Wochen kaum erklären. Wenn sich jedoch alle einig gewesen sind, dann wäre jetzt bewiesen, dass die Eintracht an ihrer Selbstherrlichkeit gescheitert ist. 

So endet die zehnjährige Arbeit des sympathischen Pfälzers dort, wo sie begonnen hat in Liga 3. Eine nachhaltige Arbeit ist dem Verein in den Jahren also nicht gelungen. Bereits in der vergangenen Saison machten sich Mängel bemerkbar, konnten aber noch kompensiert werden. In dieser Saison traten die Löwen nicht einmal über 90 Minuten überzeugend auf. Eine Kritik, die von Vereinsverantwortlichen stets und teilweise deftig“abgebügelt“ wurde. Da sind wir mal gespannt, wie die Reaktion jetzt ausfällt. Werden wieder andere Schuld haben? Die Fans? Die Medien? Das Verletzungspech?