Schmidt-Effekt reicht nur 45 Minuten – VfL noch immer ohne Heimsieg!

Wolfsburg. Im ersten Spiel unter dem neuen VfL-Cheftrainer Martin Schmidt am fünften Spieltag der Fußball-Bundesliga Saison trennten sich der VfL Wolfsburg und Werder Bremen 1:1 (1:0)-Unentschieden. 26.174 Zuschauer in der VW-Arena sahen zwei sehr unterschiedliche Halbzeiten, in denen beide Mannschaften das Spiel hätten für sich entscheiden können. Die verdiente Führung von Divock Origi (28.) glichen die Bremer in der zweiten Halbzeit durch Finn Bartels (55.) aus.

In der kurzen Zeit nach seiner Ankunft in Wolfsburg am gestrigen Montag hatte sich VfL-Cheftrainer Martin Schmidt vorgenommen „Energien freizusetzen“ und „einen neuen Impuls“ zu geben. Das Motto des VfL „Arbeit, Fußball, Leidenschaft“ in die Tat umzusetzen, war das ausgesprochene Ziel, um sich anschließend „jubelnd in den Armen zu liegen“. Den ersten Heimsieg als Zielvorgabe bezeichnete er „mehr als Chance denn als Risiko“.

Er drehte „an der einen oder anderen Stellschraube“ und setzte wieder auf die bewährte Viererkette, um einen offensiven Spieler mehr auf dem Feld zu haben. Daher liefen Yunus Malli und Daniel Didavi erstmals gemeinsam auf. Damit kehrte der neue Cheftrainer zur VfL-Spielphilosophie im 4-2-3-1-System zurück. Paul-Georges Ntep rückte zudem in die Startformation und sollte über die linke Außenposition für Druck sorgen.

In der ersten Halbzeit zeigten die Wölfe die Zähne und gewannen neben hohem Ballbesitz auch die Vielzahl der Zweikämpfe insbesondere im zentralen Mittelfeld, wo Ignacio Camacho und Maximilian Arnold häufig den Werder-Konter unterbinden konnten. VfL-Cheftrainer Martin Schmidt war von Beginn an der Seitenlinie zu sehen und verdeutlichte in einzelnen Situationen, dass die Mannschaft nach vorne verteidigen soll. Ein passives Zurückweichen möchte er offensichtlich nicht sehen. Die ersten zehn Minuten waren geprägt von gegenseitigem Respekt, aber auch schon hier zeichnete sich ab, dass der VfL die Spielkontrolle übernahm. Die Werderaner sehr tiefstehend im 5-3-2-System lauerten auf Konter. Die Wölfe gewannen zunehmend an Sicherheit und hatten mit dem Abschluss von Yunus Malli in der zwölften Spielminute die erste Torannäherung, nachdem er den zweiten Ball nach einer Ntep-Flanke aufnehmen konnte. Werder spielte sehr passiv hatte aber in Person von Jerome Gondorf einen kreativen Moment in der 16. Minute, aber sein Schnittastellenpass fand keinen Abnehmer. Nach 19 Minuten schon fast die Führung für die Wölfe, aber Jiri Pavlenka hielt den Schuss von Divock Origi und lenkte den Ball um den rechten Pfosten. Nach einer Arnold-Ecke kommt Ignacio Camacho zum Kopfball (20.), Maximilian Arnold versuchte Divock Origi in Szene zu setzen (23.). Beides Situationen, wo Nuancen zwischen Erfolg und Mißerfolg liegen. Doch die Zweikampfbilanz und die Laufstatistik der VfL-Akteure war zu diesem Zeitpunkt überdurchschnittlich wie auch Martin Schmidt später bestätigte.Die zentralen defensiven Mittelfeldspieler Maximilian Arnold und Ignacio Camacho setzten immer wieder Zeichen und eroberten wichtige Bälle. Nach 28. Minuten war es dann so weit, Arnold spielte links raus zu Paul-Georges Ntep, der nach innen auf den diagonal einlaufenden Divock Origi passte, der mit der rechten Innenseite zur verdienten 1:0-Führung verwandeln konnte. Doch schon zum Ende der ersten Halbzeit waren weitere VfL-Chancen Mangelware. Yunus Malli in der 33. Minute aus halbrechter Position hätte mit seinem Innenseitstoß den Werder-Torwart fast überrascht, verfehlte aber knapp.

In der zweiten Halbzeit nach einem Doppelwechsel bei Werder plötzlich ein ganz anderes Bild. Werder-Cheftrainer Alexander Nouri reagierte auf die passive Vorstellung seiner Elf und nahm Maximilian Eggestein und Jerome Gondorf aus der Partie. Dafür brachte er den belgischen Stürmer Ishak Belfodil und Philipp Bargfrede für das zentrale Mittelfeld. Der sehr agile Florian Kainz spielte fortan hinter den Spitzen und konnte hier seine technischen Fertigkeiten noch besser ausspielen. Schon in der 46. Minute die erste Unsicherheit in der VfL-Defensive als Koen Casteels eine Delaney-Flanke falsch einschätzte und Florian Kainz förmlich einlud einen Treffer zu erzielen. Dieser konnte aber den Ball nicht an Ignacio Camacho vorbeibringen, der für seinen geschlagenen Keeper das Tor bewachte. Das Spiel wogte hin und her mit erheblich größeren Spielanteilen für Werder Bremen im Vergleich zur ersten Halbzeit. Es entstand ein regelrechter Abnutzungskampf, Kainz foulte Didavi zweifach und sah dafür den gelben Karton, setzte aber zugleich auch ein Zeichen für seine Kameraden (50.). In der 53. Minute ließ Yunus Malli auf Vorlage von Daniel Didavi die letzte Konsequenz vermissen oder verließen den VfL so langsam die Kräfte? Kurze Zeit später wurden die Werderaner frühzeitig belohnt für ihre größere Initiative am Spiel teilzunehmen. Eine weitere Delaney-Flanke wurde von Robin Knoche unglücklich verlängert, so dass Finn Bartels seinerseits freistehend einköpfen konnte (55.) Das Spiel war jetzt vollkommen offen, kleinere Chancen auf beiden Seiten bis zur 71.Minute, da knallte Gebre Selassie den Ball ans Wolfsburger Lattenkreuz, so dass ein merkliches Raunen durch das Stadion ging. Glück gehabt, VfL! In der 79. Minute verhinderte Koen Casteels ein Eigentor von Maximilian Arnold, der unglücklich in einen Ball lief. Martin Schmidt brachte noch Landry Dimata und William für die Offensive, die sicherlich auch ihre Leistungen aus dem Stuttgart-Spiel revidieren wollten, aber weitere Chancen sollten sich für den VfL nicht mehr ergeben. Das vom neuen VfL-Cheftrainer geforderte Spiel konnten die Wölfe physisch nur 45 Minuten anbieten und mussten zum Ende froh sein, dass Werder sie nicht noch komplett abstrafte. Das wäre allerdings auch nicht leistungsgerecht gewesen, denn in der ersten Halbzeit hatte nur ein Team Fußball gespielt und das war der VfL!

Schon am Freitag, den 22. September um 20.30 Uhr können die Wölfe in der Allianz-Arena beim FC Bayern München beweisen, dass sie mit dem notwendigen Biss gute Ergebnisse erzielen können.

Zahlen und Fakten zum Spiel:

VfL Wolfsburg: Casteels – Verhaegh, Uduokhai, Knoche, Gerhardt – Camacho (70. Guilavogui), Arnold – Malli, Didavi (88. William), Ntep (77. Dimata) – Origi

SV Werder Bremen: Pavlenka – Bauer, Veljkovic, Caldirola – Gebre Selassi, M. Eggestein (46. Bargfrede), Augustinsson – Gondorf (46. Belfodil), Delaney – Kainz, Bartels (90. Hajrovic)

Tore: 1:0 Origi (28.), 1:1 Bartels (56.)

Gelbe Karten: Camacho/ Gondorf, Kainz

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)

Zuschauer: 25.000