Schwache Eintracht verliert gegen den noch schwächeren FC St. Pauli 0:2

Man könnte es auch als das Spiel von Not gegen Elend bezeichnen, das Elend letztlich sogar nicht unverdient gewonnen hat. Am 9. Spieltag der 2. Bundesliga empfing der Tabellenzehnte den Tabellenneunten, Eintracht Braunschweig gegen FC St. Pauli. Am Ende hatte der Gast aus Hamburg durch die Tore von Buchtmann und Sahin drei Punkte entführt und den Löwen aufgezeigt, dass man auch aus nichts viel machen kann. Nun trennen die Eintracht nur noch drei Punkte vom Relegationsplatz und auch dem letzten Fan sollte jetzt deutlich werden, der Blick geht nicht oben, sondern nach unten.

Die Zeichen ließen bereits vor dem Spiel nichts Gutes ahnen. Die drei Roten Karten für Khelifi, Sauer und Boland in der Partie bei Jahn Regensburg waren eine schwere Bürde. So musste Trainer Torsten Lieberknecht eine Taktik „ausbaldowern“, die die Gäste vor unlösbare Probleme stellen sollte. Mit Kijewski, Samson, Hernandez und Abdullahi standen gleich vier Neue in der Startelf. Vorn sollten Kumbela und Abdullahi für die benötigten Tore sorgen. Und die Taktik schien aufzugehen.

Schon in der 2. Minute hatte Abdullahi aus kurzer Distanz das 1:0 auf dem Fuß. Bis zur 15. Minute folgte quasi eine Chance nach der anderen, aber entweder war Gäste-Keeper Himmelmann auf dem Posten, oder die Löwen vergaben. Wie in der 12. Minute, als Sobiech Ken Reichel zu Fall brachte und alle im Stadion sich einig waren – ein berechtigter Elfmeter. Ohne lange zu zaudern, nahm sich Hernandez den Ball und drückte mit seiner Körpersprache aus, dass er jetzt die Führung klar machen wollte. Doch was folgte war ein harmlos getretener Elfer, der Himmelmann vor keine großen Probleme stellte. Er wehrte den Ball mit dem Bein ab und parierte den Nachschuss von Hernandez in Weltklassemanier. Spätestens jetzt schwante vielen Löwen-Fans, dass dieser Sommer-Nachmittag ein böses Ende nehmen könnte. Denn, wer seine Chancen nicht nutzt, der wird nicht selten am Ende bestraft.

Doch bevor wir hier in die Halbzeit gehen, muss man noch ein Wort zu Pauli verlieren. Bei den Fans war in der Halbzeitpause viel darüber zu hören, dass die Eintracht ein bärenstarkes Spiel gezeigt hätte. Das kann man so sehen, muss man aber nicht. Die Leistung der Kiez-Kicker war in Durchgang eins schlicht und ergreifend eins – armselig. Hier zeigte die Mannschaft von Trainer Janßen, warum sie bis zum Spiel gegen Eintracht nur sieben Tore auf dem Konto hatte. Offensivbemühungen gab es streng genommen keine, das erste Torschüsschen resultierte aus der 29. Minute. Und beim Eckenverhältnis hatte die Eintracht mit 9:0 klar die Nase vorn.

Ach ja, es ist ja auch bekannt, dass man, wenn man kein Glück hat, meistens noch Pech dazu bekommt. In der 22. Minute foulte Buballa Ken Reichel, der gegen Nkansah ausgewechselt werden musste. Und in der 38. Minute ging auch Hochscheidt verletzt vom Platz. Für ihn kam der junge Robin Becker. Es wollte nicht laufen bei der Eintracht.

0:0 zur Halbzeit

Nach dem Wechsel sahen die 22.695 Zuschauer eine ganz andere Partie. Die drückende Überlegenheit der Löwen war plötzlich vorüber. Weil Pauli erst Flum brachte und in der 66. Minute Buchtmann. Dadurch bekam das Spiel der Hamburger deutlich mehr Struktur. Technisch wurde es jedoch nicht besser. Zwar lieferten sich beide Mannschaften spannende, dramatische Zweikämpfe, doch zur spielerischen Qualität trug das nicht bei. Immer wieder sorgten Fehlpässe auf beiden Seiten für ein stets Hin und Her. Hierbei zeigte die Gäste allerdings, dass sie den Ball auch sicher durch die eigenen Reihen laufen lassen können.

Die beiden eingewechselten Paulianer, Buchtmann und Sahin, nutzen dann die nachlassenden Kräfte der Platzherren scham- und gnadenlos aus. Erst legte Sahin auf Buchtmann ab, der den herauseilenden Fejzic mit einem Heber zum 1:0 überwand (76.), dann dankte Buchtmann seinem Kameraden Sahin mit einem genauen Pass, den der trocken zum 0:2 (80.) vollendete und dabei den Braunschweiger Valsvik nicht gut aussehen ließ.

Unter dem Strich war die Partie im zweiten Durchgang alles andere als gehobener Zweitliga-Standard. Pauli kann sich immerhin noch rühmen, auch aus dem Nichts Verwertbares gemacht zu haben. Mit nun 16 Punkten ist der Anschluss zu den Aufstiegsrängen hergestellt. Für die Eintracht bleibt nur die bittere Erkenntnis, sich derzeit selbst im Weg zu stehen. Das ist nicht der Ausdruck einer geschlossenen, verschworenen Gemeinschaft. Für Torsten Lieberknecht eine wahrlich schwere Situation. Aber der Pfälzer muss sich auch die Frage gefallen lassen, warum Spieler wie Yildirim und Dacaj wieder nur auf den Bank saßen? Oder warum der sich zweifelsohne bemühende, aber glücklose Abdullahi den Vorzug vor dem jungen, frechen Tietz bekam?

Darüber jetzt allzu lange zu philosophieren, hilft nicht weiter. Allein deshalb schon nicht, weil sich der Trainer verständlicherweise nicht in die Karten schauen lässt. Aber das schützt ihn nicht davon, die Frage gestellt zu bekommen, warum die vermeintlich eingespielte Eintracht in dieser Saison nicht in die Spur kommt? Alles nur Pech? Wohl kaum. 

Am 13. Oktober tritt die Eintracht beim Tabellenfünfzehnten MSV Duisburg an (beginn 18.30 Uhr). Sollten die Zebras morgen in Düsseldorf verlieren, dann hat Torsten Lieberknecht ein echtes Abstiegsduell vor den Nase. In dem muss er erneut auf Khelifi verzichten, auf Boland, auf Sauer und vielleicht auch noch auf Reichel, Hochscheidt und Zuck, die verletzt sind. Möge die Rehaabteilung der Eintracht schnell und wundersam wirken. Sonst muss sich der Verein doch mit der Frage auseinandersetzen, weiter zuzuschauen, oder doch zu reagieren. Bei etlichen Fans ist diese Frage schon seit vergangener Saison beantwortet, sie glauben nicht mehr daran, dass Torsten Lieberknecht noch in der Lage ist, die richtigen Impulse zu setzen. 

Das muss man nicht so sehen, aber die aktuelle Lage scheint diesen Skeptikern recht zu geben. Wenig logisch klingt auch das Fazit zahlreicher anderer Fans, die den Grund für die wenig erbaulichen Ergebnisse der Eintracht Block 9 zuschreiben. All das wirkt schon etwas hilflos. Doch jetzt muss sich zeigen, ob die viel gerühmte Fan-Kultur bei der Eintracht tatsächlich so viel wert ist, wie es in guten Zeiten immer heraufbeschworen wird. Aus so einer Krise kommt nur dann gestärkt hervor, wenn man zusammen hält.