VfL taumelt dem Abstieg entgegen – 1:4 in Leipzig

Leipzig. VfL. Die Wölfe zeigten sich als hervorragender Aufbaugegner für die Rasensportler in Leipzig. Vor 41.487 Zuschauern in der Red Bull-Arena verloren die Wolfsburger mit 1:4 (0:2) und zeigten eine erschreckend schwache Leistung. Der „Geist von Teistungen“ aus dem Kurz-Trainingslager in Thüringen war spätestens nach zwanzig Minuten wieder vertrieben. Kein Spielverständnis, viele Fehlpässe, kein Nachsetzen nach Ballverlust alles Eigenschaften eines typischen Absteigers. Doch durch die Niederlagen der Konkurrenz aus Freiburg (1:3 in Mönchengladbach) und Hamburg (0:3 in Frankfurt) haben die Wölfe mit unglaublich wenigen Punkten trotzdem noch die Chance auf den direkten Klassenerhalt im Heimspiel gegen den ersten Absteiger 1.FC Köln am Samstag, den 12. Mai um 15.30 Uhr.

Gute Vorbereitung ist alles

Beide Teams steckten zuletzt in einer Abwärtsspirale und wollten eine Wende erreichen. Die Leipziger schieden in der Euro League gegen Olympique Marseille aus und strauchelten anschließend auch in der Bundesliga, so dass gegenwärtig sogar die Qualifikation für den europäischen Wettbewerb in Gefahr schien. Die Wölfe zitterten sich einer bevorstehenden Relegation entgegen und mussten zuletzt realisieren, dass selbst der direkte Abstieg wieder möglich erscheint.

Daher isolierten sich die Wölfe in einem Kurz-Trainingslager in Teistungen/Thüringen, um sich auf die Auswärtspartie in Leipzig vorzubereiten.

Neue Formation

Daniel Didavi kehrte trotz Achillessehnenproblemen in die Startformation zurück. VfL-Cheftrainer Bruno Labbadia hatte sich für eine defensive Dreierkette entschieden, so dass auch Jeffrey Bruma neben Felix Uduokhai und Robin Knoche als Innenverteidiger zum Einsatz kam. Auf den Außenpositionen sollten Renato Steffen und William nicht nur verteidigen, sondern auch für offensiven Druck sorgen.

Die Leipziger ihrerseits auch ersatzgeschwächt mussten auf ihre Kreativzentrale Naby Keita (gesperrt) und Emil Forsberg verzichten.

Zum Spiel des VfLs

Die mitgereisten VfL-Fans, die den vielleicht größten Auswärts-Support einbrachten, sahen eine gute Anfangsphase ihrer Wölfe. Divock Origi (1., 12.), der erneut den Vorzug vor Landry Dimata erhalten hatte, mit zwei Torabschlüssen deutete die guten Vorsätze des Teams an. Ebenso setzte sich Josip Brekalo (9.) nach guter Kombination durch das Zentrum gegen passive Leipziger durch. RB kam nur langsam in Schwung. In der 15. Minute musste Robin Knoche erstmalig gegen Ademola Lookman retten. Die Wölfe ließen nun unerklärlicherweise nach, waren nicht mehr fokussiert und leisteten sich viele einfache Fehler.

William zeigte defensive Schwächen gegen Lookman, Felix Uduokhai (19.) spielte unbedrängt zentral zum Gegner und das gesamte Team (23.) setzte bei einer Balleroberung von Dayot Upamecano nicht mehr nach. Folgerichtig fiel die Führung der Gastgeber als Bernardo auf der linken Seite in die Schnittstelle zwischen Dreierkette und William spielte. Jean-Kevin Augustin kontrollierte den Ball und passte in den Rückraum auf Lookman (24.), der sicher verwandelte. Sechs Minuten später traf Augustin selber, nachdem er sich gegen Jeffrey Bruma durchgesetzt hatte. Doch er stand minimal nach sehr gutem Pass von Timo Werner im Abseits. Glück für den VfL! Nach einem weiteren Fehler im Spielaufbau passte Augustin auf Timo Werner (33.), der völlig freistehend zum 2:0 traf. Felix Uduokhai traf den Ball nicht, Bruma wurde getunnelt und Robin Knoche hatte den fehlerhaften Spielaufbau eingeleitet. So kann es nicht klappen!

Nach der Pause…

Der Wechsel zur Pause Stürmer für Innenverteidiger war sicher nachvollziehbar. Doch Landry Dimata kam für Robin Knoche, der nicht so unsicher wie Felix Uduokhai gewirkt hatte. Dimata belebte das Spiel und hätte nach einem Brekalo-Freistoß fast per Kopf (50.) getroffen. Nach dem Anschlusstreffer von Daniel Didavi (47.) auf Vorlage von Renato Steffen, hätte das der Ausgleich sein können. Was folgte war der doppelte individuelle Fehler von Uduokhai, der erst zu kurz auf Koen Casteels passte und sich dann instabil im Zweikampf gegen Timo Werner zeigte. Dieser passte auf Lookman (52.), der sich mit seinem vierten Saisontreffer in der Rückrunde bedankte und auf 3:1 erhöhte. RB erarbeitete sich weitere Chancen durch Kampl (57.), Werner (58.) und Augustin (62.). Vom VfL außer einem 20 Meter-Schuss von Maximilian Arnold (59.) nicht viel zu sehen.

Die Entscheidung

Die Entscheidung in der 64. Minute als sich die Gastgeber über Diego Demme und Werner im Zentrum durchkombinierten und Augustin freispielten. Der verwandelte freistehend vor Koen Casteels sicher. Danach musste Daniel Didavi nach Frustfoul und gelber Karte (68) mit Blick auf das wichtige Saisonfinale in der VW-Arena ausgewechselt werden.

Das Spiel war entschieden und die einzige positive Entwicklung war, dass sich die Niederlagen der Freiburger und Hamburger ebenfalls herauskristallisierten.

Koen Casteels verhinderte kurz vor Schluss eine noch höhere Niederlage (89.), als er einen Upamecano-Kopfball entschärfte.

Die Leipziger feierten Dominik Kaiser, der die „Roten Bullen“ von der vierten Liga bis in die Champions League führte und sein letztes Heimspiel absolvieren durfte.

In der derzeitigen Verfassung dürfte selbst der Absteiger aus Köln am nächsten Wochenende eine große Hürde darstellen. Mit einem Unentschieden sollte die Relegation erreicht werden können, ein Sieg könnte bei einer gleichzeitigen Niederlage der Freiburger mit 33 Punkten sogar zum direkten Klassenerhalt reichen.

Zahlen und Fakten zum Spiel:

RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Konate, Upamecano, Bernardo (68. Laimer) – Kaiser, Kampl, Demme, Lookman – Augustin (67. Poulsen), Werner

VfL Wolfsburg: Casteels – Uduokhai, Knoche (46. Dimata), Bruma – William, Arnold, Guilavogui, Steffen – Didavi (69. Rexhbecaj) – Brekalo (78. Malli), Origi

Tore: 1:0 Lookman (24.), 2:0 Werner (33.), 2:1 Didavi (47.), 3:1 Lookman (52.), 4:1 Augustin (63.)

Gelbe Karte:  – / Didavi

Zuschauer: 41.487 am Samstagnachmittag in der Red Bull Arena

Schiedsrichter: Marco Fritz (Korb)