VfL Wolfsburg gewinnt nach fragwürdigem Handelfmeter

Wolfsburg. In einem jederzeit packenden und von vielen Zweikämpfen geprägten erstem Relegationsspiel gewann der VfL Wolfsburg knapp mit 1:0 (1:0) durch einen von Mario Gomez verwandelten Handelfmeter (35.) gegen Zweitligist Eintracht Braunschweig. In der mit 29.100 ausverkauften VW-Arena entwickelte sich von Beginn an ein temporeiches und von beiden Teams sehr engagiert geführtes „Schicksalsspiel“. Die entscheidende Szene verlief denkbar unglücklich für die Braunschweiger Eintracht, da der Handelfmeter durchaus fragwürdig und zu allem Überfluss auch noch nach einem vorangegangenen Handspiel von Mario Gomez zustande kam.

Schon die Anreise ließ vermuten, was auf dem Platz passieren würde. Zwei Hubschrauber kreisten am Himmel, mehrere Blaulicht-Fahrzeuge bahnten sich den Weg, so dass eine geordnete Anfahrt nur sehr problematisch möglich war.

So auch auf dem Spielfeld. Die Anfangsphase von vielen kleinen Fouls und packenden Zweikämpfen geprägt. Die Niedersachsen-Rivalen schenkten sich nichts. Es entwickelte sich ein regelrechtes Freistoß-Duell zwischen Yunus Malli und Nik Omladic, die nahezu ausschließlich für die Standardsituationen ihrer Teams verantwortlich waren. VfL-Cheftrainer Andries Jonker kritisierte dementsprechend auch das unachtsame Zweikampfverhalten seiner Profis, die zwölf Fouls in der eigenen Hälfte produzierten und immer wieder Standardsituationen zuließen.

Der BTSV warf seine typischen Tugenden der Leidenschaft, Willen und Kampfbereitschaft in die Waagschale. Aber auch der VfL hatte die Zeichen der Zeit erkannt und zeigte neben fußballerischen Qualitäten auch die notwendige Einsatzbereitschaft, um sich nicht den Schneid abkaufen zu lassen. Dennoch die beste Chance im Spiel hatte die Braunschweiger Eintracht. In der 22. Minute verlor Luis Gustavo, der als Kapitän voranging und viele Bälle eroberte, leichtfertig den Ball in der Vorwärtsbewegung. Christoffer Nyman verzögerte gut und flankte auf den einlaufenden Mirko Bolland, der freistehend aus sieben Metern den Ball nicht im Tor der Wölfe unterbringen konnte. Vielleicht eine der wichtigsten Situationen während der Relegationsspiele, wenn man bedenkt wie wichtig ein Auswärtstor bei den Relegationsregularien sein kann.

Schon nach zwei Minuten die erste große Chance für die Wölfe als Luis Gustavo knapp eine Eingabe von Yunus Malli verpasste. Auf der Gegenseite der erste Omladic-Freistoß, Koen Casteels zeigte sich unsicher (4.) doch letztlich entschärfte er die Situation. Das Kribbeln und die Spannung rund um diese Begegnung war spürbar, die Fanlager peitschten sich hoch in ihren Gesängen. So laut und stimmungsvoll war es nicht immer in der vergangenen Spielzeit und das, obwohl überraschend viele Sitzplätze in den VfL-Kurven frei geblieben waren.

Die Eintracht ackerte und machte es den Wölfen durchaus schwer Chancen zu kreieren, so dass viele Situationen von Seiten des VfL nicht zu Ende gespielt werden konnten. Das spielerische Übergewicht des VfL war deutlich, da Yunus Malli und Daniel Didavi ihre Fähigkeiten einbrachten. Allerdings fehlte es ihnen wie so häufig in der Saison an Präzision. Die Löwen hielten angeführt von Mirko Boland kämpferisch dagegen und gewannen viele wichtige Duelle, so dass ein Tor nur aus einer Standardsituation resultieren konnte.

Dass das entscheidende Tor an diesem Tag mehr als glücklich fiel, wollte von Seiten des VfL keiner weiter kommentieren. Auch Löwen-Cheftrainer Torsten Lieberknecht hielt sich auf der Pressekonferenz weitestgehend zurück und verwies lieber auf die aus seiner Sicht gute Ausgangslage für das Rückspiel und versprach nochmal alle Kräfte zu bündeln. Da Gustav Valsvik, der aus Nahdistanz den Ball von Yunus Malli an die Hand geschossen bekam, in Folge des Elfmeter-Pfiffes auch noch die gelbe Karte sah und Maximilian Sauer in der 42.Minute ebenfalls nach Foul an Paul-Georges Ntep den gelben Karton sah, konnte für die zweite Halbzeit ein sehr offensiv orientierter VfL erwartet werden. Zumal auch Ken Reichel in der 13.Minute nach Foul an Daniel Didavi ebenfalls gelbbelastet und somit fast die gesamte Viererkette der Eintracht verwarnt war.

Diese Druckphase gab es dann auch in den ersten fünfzehn Minuten der 2.Halbzeit. Ein Tor lag förmlich in der Luft, aber der BTSV überstand diese Phase. Der VfL hatte Vierinha für Ntep gebracht. Die beste Chance ergab sich nach einem Kopfball von Mario Gomez in der 54. Minute, aber Jasmin Fejzic und Saulo Decarli verteidigten mit vereinten Kräften.

In der 60. Minute brachte die Eintracht mit Domi Kumbela und Patrick Schönfeld frische Akteure für Christoffer Nyman und Quirin Moll. Kumbela vergab eine sehr gute Umschaltsituation in der 66. Minute als er den freistehenden Jan Hochscheidt übersah und musste verletzt schon in der 72. Minute von Hendrick Zuck ersetzt werden. Der VfL brachte Maximilian Arnold für den ebenfalls leicht angeschlagenen und gelbbelasteten Josuha Guilavogui. Dennoch der Druck des VfL wurde nicht mehr größer, die Chancen nicht zwingender, so dass Andries Jonker sich zu Recht auch etwas enttäuscht den Medienvertretern präsentierte. Eine noch bessere Ausgangslage war angestrebt worden.

So wird sich alles erst am Montagabend, den 29. Mai ab 20.30 Uhr im Eintracht-Stadion entscheiden. Das die Wölfe unter dem tosenden Applaus der VfL-Fans in der 82.Minute noch den ehemaligen „Meisterspieler“ Ashkan Dejagah erstmalig in dieser Saison einwechselten, kam etwas überraschend und verfehlte sportlich seine Wirkung. In der Nachspielzeit setzte Ken Reichel nochmal zu einem seiner gefürchteten Distanzschüsse an, doch heute sollte es für die Eintracht nicht mehr zu einem Happy End kommen. Dennoch sind im Lager der Braunschweiger Eintracht alle mit dem erreichten Ergebnis zufrieden, da es durch die Verwarnungen und die frühzeitige Verletzung von Domi Kumbela gewisse Handlungseinschränkungen gegeben hatte.

Zahlen und Fakten zum Spiel:

VfL Wolfsburg: Casteels – Träsch, Knoche, Wollscheid, Gerhardt – Guilavogui (72. Arnold), Luiz Gustavo – Didavi (83. Dejagah), Malli, Ntep (46. Vieirinha) – Gomez

Eintracht Braunschweig: Fejzic – Sauer, Decarli, Valsvik, Reichel – Omladic, Moll (60. Schönfeld), Boland, Hochscheidt – Nyman (60. Kumbela, 72. Zuck), Hernandez

Tore: 1:0 Gomez (35., HE)

Gelbe Karten: Luiz Gustavo, Guilavogui / Valsvik, Sauer, Reichel

Zuschauer: 29.100 Zuschauer am Donnerstagabend in der ausverkauften Volkswagen Arena

Schiedsrichter:
Sascha Stegemann (Niederkassel)