Wölfe kämpfen sich in der Allianz-Arena zurück – Auswärtspunkt bei den Bayern!

München. Zur besten Oktoberfest-Zeit am sechsten Spieltag der Fußball-Bundesliga-Saison gastierten die Wölfe in der mit 75.000 Zuschauern am Freitagabend ausverkauften Allianz-Arena und verdienten sich in der zweiten Halbzeit durch Treffer von Maximilian Arnold (56.) und Daniel Didavi (83.) einen nicht mehr für möglich gehaltenen Auswärtspunkt beim Rekordmeister FC Bayern München, der schon zur Pause durch Tore von Robert Lewandowski (32.) und Arjen Robben (43.) mit 2:0 in Führung gelegen hatte.

Rechtzeitig vor dem Auftritt in München – so könnte man behaupten – wurde der neue VfL-Cheftrainer Martin Schmidt verpflichtet. Denn der weiß wie man bei den Bayern punktet! In den vergangenen 20 Spielzeiten sprang für den VfL lediglich ein einziges Remis bei 19 Niederlagen heraus. Allein in den letzten beiden Spielzeiten war Martin Schmidt mit seinen Mainzern erheblich erfolgreicher gewesen!

Soviel zur Theorie und anderen Begleiterscheinungen, die der Trainer bei der Pressekonferenz auch schnell vom Tisch wischte. Egal mit welcher taktischen Formation, die mentale Frische und das Besinnen auf das eigene Leistungsvermögen sei entscheidend, um sich immer wieder in Nuancen zu verbessern. Das erwarte er von seiner neuen Mannschaft.

So verwunderte es nicht, dass er vier frische Spieler in die Startelf setzte und somit auch den Konkurrenzkampf für die nächsten Wochen anheizte.

Mit der Hereinnahme des jüngsten Kaderspielers Gian-Luca Itter (18) für Yannick Gerhardt auf der linken Viererkettenposition überraschte er sicher auch einige Experten. Marcel Tisserand spielte für Robin Knoche in der Innenverteidigung und Josuha Guilavogui ersetzte Daniel Didavi. Dadurch rückte Maximilian Arnold nominell eine Position vor. William wurde erneut auf dem offensiven Flügel eingesetzt und kam für Paul-Georges Ntep zum Einsatz.

Es zeigte sich jedoch schnell, welche Überlegungen der neue VfL-Chefcoach angestellt hatte. Es sollte kompakt im 4-5-1 gegen den Ball verteidigt werden, so dass den Bayern ein hoher Ballbesitz gewährt wurde.

Wie von Martin Schmidt prognostiziert drückten die Bayern schon in den ersten Minuten auf das Tempo und starteten gleich mit mehreren Ecken, die allerdings allesamt von den Wölfen entschärft werden konnten. Nach der dritten Ecke und der folgenden Faust-Abwehr von Koen Casteels hätte sich in der vierten Minute eine Konterchance offenbart, doch hier blieben die Grün-Weißen zu ungenau. Das Umschaltspiel ebenso wie das noch aktivere Anlaufen im Spiel gegen den Ball sind sicher Trainingsschwerpunkte in nächster Zeit unter dem neuen VfL-Cheftrainer, der davon sprach, dass hierbei „ein Rädchen in das andere greifen“ müsse.

Auf dem Feld drängten die Bayern die Wölfe in die Defensive und suchten nach der Lücke im Defensivverbund. Über die Freistöße von Robert Lewandowski in aussichtsreichen Positionen (13. und 19.Minute) kamen die Münchener noch nicht zum Erfolg. Die erste VfL-Torannäherung war in der 20. Minute zu verzeichnen als Maximilian Arnold beherzt aus der Entfernung abzog, das Gehäuse von Sven Ulreich allerdings verfehlte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der VfL beachtliche 57 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen und die Bayern vor eine harte Aufgabe gestellt. Allerdings fehlte die Entlastung, so dass die Bayern weiter geduldig auf ihre Chancen warteten.

Diese kam dann zum Wolfsburger Entsetzen durch einen Schiedsrichterpfiff des Unparteiischen Christian Dingert, der ein Foul von Marcel Tisserand an Robert Lewandowski gesehen haben wollte. Der Pole verwandelte wider aller Fußballerweisheiten sicher zur 1:0-Führung der Münchner Bayern (32.). In der 38. Minute wurde Divock Origi von Jerome Boateng abgeräumt, nachdem William den Ball fein durchgesteckt hatte. Kurz vor dem Halbzeitpfiff mental ungünstig trafen die Bayern in der 43. Minute erneut und gingen nach einem Schuss von Arjen Robben, der von Rafinha noch entscheidend abgefälscht wurde, mit einem 2:0 in die Pause.

Die Wölfe bekamen Lob zur Pause, da sie ordentlich verteidigt hatten und die Gegentore bedingt durch eine Schiedsrichterentscheidung und einem unglücklich abgefälschten Rückraumschuss entstanden waren.

Nach der Pause wurden die Wölfe mutiger und versuchten das Spiel offener zu gestalten. In der 49. Minute fast der Anschlusstreffer als der für William eingewechselte „Kuba“ Blaszczykowski flach von der rechten Seite flankte und Maximilian Arnold fand, dessen Schuss aber zur Ecke abgewehrt wurde. Die anschließende Ecke wurde von Sven Ulreich unterschätzt, doch Josuha Guilavogui köpfte vorbei. (50.) Die Wölfe standen jetzt etwas höher und versuchten mehr Druck auf die Münchener auszuüben. In der 56. Minute der überraschende, aber aufgrund der Spielentwicklung nicht unverdiente Anschlusstreffer unter gütiger Mithilfe des Bayern-Torwarts Sven Ulreich, der nicht seinen besten Tag erwischt hatte. Einen Freistoß von Maximilian Arnold aus ungefähr 30 Metern wollte er mit einer Hand abwehren, hätte hier aber besser beide Arme ausstrecken sollen. Jetzt war der VfL endgültig zurück im Spiel! Doch nur eine Minute später hätte Arjen Robben den alten Abstand wieder herstellen können, doch er verzog freistehend vor Koen Casteels. Hier ging heute Abend etwas für die Wölfe. In der 73. Minute wechselte Martin Schmidt, der unentwegt von der Seitenlinie coachte, offensiv und brachte Daniel Didavi für Ignacio Camacho. Die Grün-Weißen glaubten an ihre Chance. Spätestens als auch Frank Ribery in der 78. Minute auf Vorlage von Thomas Müller nicht traf und ein Bayern-Konter nach Ballgewinn zu schlampig ausgespielt wurde, war klar, hier ging noch etwas.

So kam es wie es kommen musste für die Bayern, die an diesem Abend die letzte Konsequenz vermissen ließen. Die Wölfe ließen ihre Qualitäten aufblitzen und schlugen eiskalt zurück. Nach einem Diagonalpass von Josuha Guilavogui auf Paul Verhaegh flankte dieser aus dem rechten Halbfeld und in der Mitte köpfte der frisch eingewechselte Joker Daniel Didavi, der geschickt eingelaufen war, den Ball über den Innenpfosten ins Tor. (83.) Der Ausgleich zum 2:2 nach einem Pausenrückstand von 0:2 ist bemerkenswert bedeutete er doch den erst zweiten Punktgewinn bei den Bayern in der Bundesliga-Geschichte des VfL!

Die Wölfe haben heute Abend einen Punkt der Moral eingefahren, der bei der Qualität des Gegners auch eine Aussagekraft für zukünftige Aufgaben hat. Das Vertrauen in das Trainerteam ist vorhanden und durch die taktische und personelle Flexibilität ist der komplette Kader aktiviert und eingebunden. Der emotionale Einstieg des neuen VfL-Cheftrainers Martin Schmidt findet wahrscheinlich im nächsten Heimspiel gegen seinen ehemaligen Verein FSV Mainz 05 am Samstag, den 30.09.2017 um 15.30 Uhr in der VW-Arena seinen nächsten Höhepunkt.

Zahlen und Fakten zum Spiel:

FC Bayern München: Ulreich – Kimmich, J. Boateng, Hummels, Rafinha – Rudy, Vidal (63. Tolisso), Robben, T.Müller, Ribery (85. James) – Lewandowski

VfL Wolfsburg: Casteels – Verhaegh, Tisserand, Uduokhai, G. Itter – Camacho (74. Didavi), Guilavogui, William (46. Blaszczykowski), Arnold, Malli – Origi (85. Bazoer)

Tore: 1:0 Lewandowski (33., FE), 2:0 Robben (43.), 2:1 Arnold (56.), 2:2 Didavi (83.)

Gelbe Karten: Vidal / Tisserand, William

Schiedsrichter: Christian Dingert (Lebecksmühle)

Zuschauer: 75000 am Freitagabend in der Allianz Arena (ausverkauft)